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Die Abheilung und Behandlung der noch frischen Wunde sind
ohne Zweifel der wichtigste Part einer Scarification, denn hier liegt das „Geheimnis“ prächtiger
und gelungener Narben. Zuerst möchten wir aber mit einem wilden Gerücht diesbezüglich aufräumen.
So wird oft behauptet, das Einreiben von Tattoo-Farben in die Wunde (das sog. Ink Rubbing) würde
kräftige farbige Narben ergeben – so besagt die Theorie das die Farbe wie bei einem Tattoo durch
das neu gebildete Gewebe eingeschlossen wird. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Farbe recht effektiv
durch den Wundheilungsprozess als Fremdstoff vom Körper nach außen getragen wird.
Jede frische Scarification muss mit großer Sorgfalt behandelt werden, da dem Körper eine ziemlich
große Verletzung zugefügt wurde und man die Wundheilung absichtlich verzögern muss um möglichst
schöne und deutliche Narben zu erhalten. Die frische Wunde sollte immer nur mit
sauberen Händen
angefasst werden und während der Abheilphase sollte auf penibelste Hygiene im Allgemeinen geachtet
werden. Nach dem Schneiden oder Brennen sollte man die Wunde verkrusten lassen und um die Heilung
zu verzögern ist es angebracht die Wunde unter sauberen Bedingungen kontrolliert zu reizen. Je nach
Art, Dauer und Intensität ergeben sich dann verschieden gute Narbenergebnisse. Je länger und
intensiver die Reizung ist, desto mehr Narbengewebe wird erzeugt werden. Die Reizung erfolgt durch
kontrolliertes Entfernen der Kruste und Öffnung der Wunde; dieses Öffnen und Entfernen erfolgt am
besten nachdem man die Kruste vorher aufgeweicht hat (nach dem Duschen oder besser nachdem man die
Wunde mit steriler Kochsalzlösung getränkt hat). Es gibt zwei bewährte Methoden die aufgeweichte
Kruste komplett zu entfernen – entweder mit einer Pinzette abziehen oder mit einer weichen Zahnbürste
die Kruste abreiben, für welche Methode man sich entscheidet, sollte jedem selbst überlassen sein.
Ein weiteres Mittel, dass man verwenden kann wäre Betaisodona Wundsalbe. Diese jodhaltige Wundsalbe
ist ziemlich stark kristallin, diese feinen Kristalle eignen sich gut zum sauberen Reizen der Wunde
(vor allem mit der Zahnbürste). Das Öffnen der Wunde stellt natürlich jedes Mal wieder ein Risiko
dar, da der Körper wieder mit einer offenen Wunde konfrontiert ist. Nicht nur aus diesem Grund ist
bei der Pflege von Cuttings wirklich auf peinlichste Sauberkeit zu achten.
Diese „Pflege“ der Scarification erfolgt so lange sich neue Krusten bilden, die man entfernen kann.
Das dauert in der Regel drei bis sechs Wochen in dieser Zeit bilden sich die Narben vollständig.
Zu Beginn sind die meisten Narben noch tief, werden jedoch mit der Zeit immer höher bis sie sich
schließlich zu schönen erhabenen Narben entwickelt haben – den so genannten Keloid-Narben. Diese
Transformation des Narbengewebes kann bis zu einem halben Jahr und länger dauern. Die Narbenbildung
wird von einem mehr oder weniger starkem Juckreiz begleitet, ähnlich dem Juckreiz eines verheilenden
Tattoos.
Der Schmerz eint fast alle Bodymodifications und modernen Körperschmuck-Formen doch sei
gesagt, dass Scarification für viele Außenstehende furchtbar schmerzhaft und brutal aussehen mag,
der eigentliche Schmerz des Schneidens oder Brennens nicht viel höher als der des Tätowieren ist.
Auch wenn Schmerzempfinden immer eine subjektive Angelegenheit ist wollen wir es hier nicht unerwähnt
lassen.
Das Wichtigste allerdings gilt in Bezug auf Scarification noch mehr als bei allen anderen
Formen des Körperschmucks, der Kunde sollte sich vorher genau über die Fertigkeiten des Künstlers
informieren und sich auch ein Portfolio von Arbeiten zeigen lassen in dem sich auch Bilder der
Abheilung und vor allem auch der verheilten Arbeiten finden. Jemanden mit einem Skalpell oder
glühenden Eisen an seinem Körper arbeiten zu lassen erfordert viel Vertrauen. Ausführliche
Beratungsgespräche, detaillierte Aufklärung und Planung des Motivs sind im Vorfeld auf jeden Fall
notwendig und sollten nicht zu kurz kommen. Scarification ist und bleibt eine der intensivsten
und intimsten Erfahrung, die man machen kann.
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