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Wahrscheinlich ist Scarification (das Anbringen von Schmucknarben) nicht nur eine der intensivsten
Formen der Body Modification, sondern nach Piercing und Tattoo auch die am meisten verbreitete und
beliebteste Art den Körper zu verzieren. Mit Sicherheit ist Scarification aber die älteste Form
der Body-Modification. Oberflächlich betrachtet ist es ja auch die einfachste Art seinen Körper
zu zieren und zu kennzeichnen - braucht es doch keine körperverträglichen Farben, Maschinen,
Nadeln oder sonstiges besonderes Wissen sich eine Narbe zuzufügen.
Scarification ist also die natürlichste Form des Körperschmucks, da der Körper selbst den
Schmuck – die Narbe - >produziert, ohne dass Fremdkörper wie Tattoofarbe oder Schmuck benutzt
werden. Kennt man bei verschiedenen Natur- völkern (z.B. Afrikas) Narben als Schmuck oder
Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu einem Clan oder einer Gruppe, sind uns in der westlichen
Kultur Narben nur von Verletzungen her bekannt – sicher hat sogar fast jeder eine Narbe, ist
also schon „verziert“. Allerdings geht es bei der Scarification nicht um Narben von Platzwunden am
Kopf oder Schnitten, die bis auf den Knochen gehen sondern um kunstvolle Verzierung der Haut.
Diese kunstvollen Narben der "Modern Primitives" brauchen neben einem ganzen Schwung Erfahrung auch
anatomisches Wissen und vor allem steriles und ordentliches Arbeiten um das gewünschte Ergebnis eines
"gesunden" Narben-Motives zu erreichen.
Im wesentlichen gibt es zwei Arten Scarifications zu erzeugen; das und .
Das Ergebnis – die Narbe - hängt selbstverständlich stark von
der Art der Wunde und der Technik mit der sie geschaffen wurde ab - allerdings bleibt jeder
Scarification etwas natürliches und ursprüngliches – denn die Narbenbildung und das Narben-Bild
lässt sich nicht mit der Präzision eines Tattoos vergleichen, welches ja größtenteils exakt planbar
und filigran auszuführen ist. Bevor wir aber zu den verschiedenen Möglichkeiten des Anbringens
einer Narbe kommen (Cutting, Branding ...) möchten wir kurz auf die Narbenbildung der Haut
allgemein eingehen - es ist wichtig die Grundlage zu kennen um das Ergebnis planen und verstehen
zu können.
Die Haut ist der äußere Schutzmantel des Körpers gegen
die Außenwelt und ist in mehreren Schichten aufgebaut. Kommt es zu einer Verletzung der Haut,
setzt der Körper also alles in Bewegung um dieses "Loch" im Schutzmantel zu stopfen. Wird nur
die äußerste Hautschicht verletzt heilt die Haut spurlos, nur bei tieferen Verletzungen die
bis zur Lederhaut und der Unterhaut reichen bilden sich Narben.
Die Wundheilung verläuft in mehreren Phasen, zunächst bildet
sich im Wundbereich ein sehr zellreiches Bindegewebe, das zahlreiche Gefäßsprossen enthält
(Granulationsgewebe). Vom Wundrand her wächst dann die Regenerationsschicht der Oberhaut
(Stratum Germinativum), danach setzt die Verhornung ein und die Wunde ist geschlossen, die Narbe
gebildet. Vermehrt man nun gezielt das Granulationsgewebe durch beabsichtigte Verzögerungen
der Wundheilung, kommt es an der verletzten Stelle zur gewünschten und vermehrten Narbenbildung.
Das Narbengewebe bildet sich allerdings nicht nur gleichmäßig
und analog zur Art, Tiefe und Größe der Wunde sondern auch entsprechend der Behandlung und
Bedingungen während der Wundheilung. Jeder kennt Narben, die an manchen Stellen dicker oder
breiter ausgeprägt sind als an anderen Stellen, die Ursache ist nicht immer eine entsprechend
geformte Wunde. Stellt man sich eine Narbe vom Bauchnabel zur Außenseite des Oberschenkels vor,
würde sich diese z.B. beim Laufen unterschiedlich bewegen. Einige Teile der Narbe würden gedehnt,
andere zusammengepresst und wieder andere bewegten sich gar nicht. Bei einer "natürlichen" oder
OP-Wunde würde das dazu führen, das die verheilte Narbe wegen der sehr unterschiedlichen
"Beanspruchung" der Haut während des Heilungsprozesses ungleichmäßig und uneben ist. Bei einer
gezielten Scarification muss also dieser stufenweise Übergang der Hautunterschiede (Hautspannung
und Dicke) mit der jeweils angewendeten Technik ausgeglichen werden.
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